Kultur

ProSieben im Mai: Ein Ausrutscher in der Quotenhitliste

Im Mai verpasste ProSieben die Top 10 der TV-Quoten. Der Grund? Ein Blick auf die Mythen und Fakten hinter diesem Quotenabstieg.

vonAnna Müller11. Juni 20262 Min Lesezeit

In der Welt der Fernsehzahlen ist es nicht unüblich, dass Sender in der Quotenhitliste auf- oder absteigen. Mai 2023 war für ProSieben ein Monat, den man wohl eher schnell vergessen möchte. Zum ersten Mal seit Jahren fand sich der Sender nicht einmal unter den zehn meistgesehenen Sendern des Monats wieder. Doch was sind die Gründe hinter diesem überaus bemerkenswerten Ereignis? Dazu mehr im Folgenden.

Mythos: ProSieben hat seine besten Formate verloren.

In der öffentlichen Wahrnehmung könnte man meinen, ProSieben hätte sämtliche Quotenbringer verloren. Auch wenn die Senderlandschaft einem ständigen Wandel unterliegt, bleibt ProSieben dennoch mit Formaten wie „The Masked Singer“ und „Joko & Klaas gegen die Welt“ auf Sendung. Diese Formate sind nach wie vor beliebt, auch wenn sie vielleicht nicht in jedem Monat die höchsten Quoten einfahren. Die Annahme, dass der Sender einfach keine relevanten Inhalte mehr bietet, greift zu kurz und ignoriert die Komplexität von Zuschauerinteressen.

Mythos: Die Zuschauer wenden sich von traditionellem Fernsehen ab.

Ein weiterer verbreiteter Glaubenssatz ist, dass das traditionelle Fernsehen nicht mehr attraktiv für die Zuschauer sei. Während die Nutzung von Streaming-Diensten einen Anstieg erfahren hat, bleibt das lineare Fernsehen nach wie vor relevant. Es ist nicht die Frage, ob die Zuschauer abgewandert sind, sondern vielmehr, wo ihre Aufmerksamkeit landet. In Zeiten von Social Media und schnellen, kurzen Inhalten ist der Wettbewerb um die Gunst der Zuschauer intensiver denn je.

Mythos: ProSieben hat keinerlei Innovationen mehr.

Ein häufig gehörter Vorwurf ist, dass ProSieben keine neuen und innovativen Formate mehr präsentiert. Dies ist zwar nicht ganz unberechtigt, aber es übersieht, dass Innovation nicht nur durch neue Sendungen definiert werden kann. Auch die Art und Weise der Vermarktung und Präsentation bestehender Formate kann als innovativ angesehen werden. Daher kann man ProSieben nicht pauschal unterstellen, starr zu sein, nur weil man sich an bewährte Formate klammert, um die Zuschauer nicht zu verlieren.

Mythos: Die Quoten sind ausschließlich auf den Programminhalt zurückzuführen.

Sicherlich spielt der Inhalt der Sendungen eine zentrale Rolle bei den Quoten, aber das Bild ist alles andere als einfach. Diverse externe Faktoren, von der Berichterstattung in den sozialen Medien bis hin zu Sportereignissen, können einen dramatischen Einfluss auf die Quoten haben. Ein Fußballspiel kann selbst die spannendsten Serien ins Schatten stellen, und manchmal sind die Zuschauer schlichtweg abgelenkt oder waren anderweitig beschäftigt.

Mythos: ProSieben wird nie wieder unter die Top 10 fallen.

Diese spannendste Hypothese lässt sich nur schwer widerlegen, denn die Zukunft ist immer ungewiss. Ein Sender, der einmal gefallen ist, kann sich wieder erholen, und es ist durchaus möglich, dass ProSieben im nächsten Monat wieder in der Rangliste hochklettert. Die stetige Entwicklung der TV-Landschaft mit neuen Trends und Formaten lässt keinen Platz für absolutes Versagen, sondern vielmehr für ständige Anpassung.

In der Betrachtung der Quoten und des Fernsehkonsums zeigt sich, dass ProSieben in einer Phase des Wandels steckt. Die Mythen, die sich um den Sender ranken, sind oft simplifizierend und übersehen die Vielschichtigkeit der aktuellen Fernsehwelt. Der Sender mag im Mai die Top 10 verpasst haben, doch die Zukunft ist alles andere als klar; sie bleibt in Bewegung.

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